Bieler Perlen Urbanismus

„Jeder Nachmittag ist eine Riesenüberraschung“

Saisonstart mit einem Fest: die Bieler Kinderbaustelle auf dem Terrain Gurzelen startet am kommenden Samstag in ihre fünfte Saison. Es gibt warme Kartoffeln, hausgemachte Würste, Musik und natürlich ausgewintertes Werkzeug. Vera Trachsel vom Betreuungsteam gibt Einblick in ihre ganz persönlichen Vorfreuden, jetzt da es endlich wieder losgeht.

Vision 2035: Das Team der Kinderbaustelle steht in den Startlöchern. Worauf freust du dich besonders?

Vera Trachsel: Eigentlich ganz einfach, dass es wieder losgeht, dass wir wieder draussen sind, bei jedem Wetter, in dieser Insel in der Stadtlandschaft mit ihren etwas anderen Regeln als rundherum. Die Kinderbaustelle ist ein Freiraum für die Kinder, aber auch für alle anderen, die mitwirken kommen; ein Ort, wo man ausprobieren kann, wo es kein richtig oder falsch gibt, wo jeder seine Spur hinterlässt. Jeder Nachmittag mit den Kindern ist eine Riesenüberraschung, weil jedes Mal so Vieles passiert, das man nicht erwartet. Darauf freue ich mich nun wieder.   

Warum beginnt ihr die Saison mit einem Fest? 

Das hat nun schon Tradition. Wir läuten den Frühling ein, und das geht am besten, wenn gleich mal viele Leute zusammenkommen. Es ist ein offenes Fest um allen mitzuteilen, dass die Kinderbaustelle wieder offen ist. Es gibt ein Konzert mit Stude & Crimson und an einem Grill Würste, die in der Gurzelen produziert werden. Ich hoffe, dass wir schönes Wetter haben und viele Leute kommen. Es soll eine Wiederbegrüssung alter Bekanntschaften sein, wie auch eine Möglichkeit, die Kinderbaustelle neuen Leuten vorzustellen. 

Apropos Neue. Wie steigt man eigentlich bei euch ein als Kind, das mitbauen will? 

Man kommt ganz einfach an einem Mittwoch-, Freitag- oder Samstagnachmittag vorbei, holt sich kostenlos einen Baustellenpass, meldet sich damit an und los gehts. Wichtig ist uns, dass man einander hilft, und es ist schön, wenn an dem weitergebaut wird, was schon existiert. So entsteht ein Gemeinschaftskunstwerk. Aber es darf, wer Lust hat, natürlich auch etwas Eigenes auf die Beine stellen. Einmal wollte zum Beispiel ein Kind einen Kirchturm bauen. Wir haben das angepackt, er steht immer noch. Es ist eben wirklich wie eine Stadt in der Stadt. Und vor zwei Jahren haben ein paar Kinder eine „archäologische Grabung“ begonnen und alles, was sie in der Erde gefunden haben, ausgestellt. Das Bauen steht im Zentrum, aber wir pflanzen auch Blumen, essen Zvieri, oder schauen, was passiert, wenn man ein Stück Eisen ins Feuer hält.

Wie bist du eigentlich zum Projekt gestossen? 

Ich habe nach Abschluss der Kunsthochschule dank eines Freundes von der Kinderbaustelle gehört und bin einfach mal vorbei gegangen. Ich hatte Glück, weil das Team in diesem Moment gerade noch Unterstützung brauchte. Meine Augen waren von der Ästhetik dieses Ortes sofort fasziniert. Diese spezielle schräge Landschaft, die von den Kindern nach ihren Vorstellungen und Wünschen selbst erschaffen wird, und in der sie dann spielen können – das hat mich gepackt. Seither gehöre ich zum Team der BaustellenbetreuerInnen und bin an zwei bis sechs Nachmittagen im Monat im Einsatz. 

Was ist die Kinderbaustelle?

Die Kinderbaustelle ist ein Mitmach-Freizeitangebot für die ganze Familie. 
Kinder ab der 1. Klasse können auf dem betreuten Bauplatz kostenlos mit unterschiedlichen Baumaterialien bauen und gestalten. Raum wird geboten, in dem sie im Freien auf selbstbestimmte und spielerische Weise handwerkliche, gestalterische und technische Erfahrungen sammeln. Die sich stetig verändernde Baustellensituation und Baucrew ist dabei Inspiration und fordert die Kinder heraus, ihre Umwelt immer aufs Neue in ihr räumliches und soziales Handeln einzubeziehen.

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