Transition Urbanismus

„Klimanotstand – jetzt sofort“

Nächste Runde Klimastreik: rund 500 Engagierte, mehrheitlich Schülerinnen und Schüler, waren es dieses Mal, die mit Transparenten und lauten Sprechchören durch Biel marschierten und verlauten liessen: „Klimanotstand jetzt sofort“ oder „le changement c’est maintenant. Später ist zu spät.“ Die Vision 2035 war dabei und hat den Streik in Bildern eingefangen. 

Weltweit gingen an diesem Freitag den 15. März Menschen in 80 Ländern auf die Strasse, um von der Politik Taten für ein besseres Klima zu fordern. In der Schweiz fanden Kundgebungen in 25 Städten teil mit insgesamt mehreren Zehntausend Teilnehmenden. Allein in Bern waren 8000 Streikende unterwegs. 

Der Aufmarsch in Biel war dagegen mit rund 500 Teilnehmenden vergleichsweise klein, nach der Einstimmung beim Kongresshaus auf der Strasse dann allerdings nicht zu überhören. „Ufe mit de Klimaziel, aber mit em CO2“, skandierten vor allem die vorneweg laufenden Jugendlichen und hoben und senkten dazu ihre Plakate. Es wurde auch gesungen und gehüpft zu Sprüchen wie „Wär nid gumpet, wot kei Notstand“. Trotz miesem kaltem Regenwetter herrschte eine gute und engagierte Stimmung. Via Guisanplatz und dem Unteren Quai entlang erreichte der Protestzug schliesslich den Zentralplatz, wo abermals lautstark auf die Forderungen der Klimstreikenden aufmerksam gemacht wurde. 

Die da wären:  

  • Wir fordern, dass die Schweiz den nationalen Klimanotstand ausruft: “Die Schweiz anerkennt die Klimakatastrophe als zu bewältigende Krise. Sie hat folglich auf die Krise zu reagieren und die Gesellschaft folglich auch über diese Krise zu informieren.”

  • Wir fordern, dass die Schweiz bis 2030 im Inland Netto 0 Treibhausgasemissionen ohne Einplanung von Kompensationstechnologien hat.

  • Wir fordern Klimagerechtigkeit.

Falls diesen Forderungen im aktuellen System nicht nachgekommen werden kann, braucht es einen Systemwandel.

Diese Forderungen werden von einer Jugendbewegung vorgebracht, die in den letzten Monaten immer mehr an Dynamik gewinnt. Ins Rollen gebracht hat alles die schwedische Jung-Aktivistin Greta Thunberg, welche Ende 2018 erstmals zu weltweiten Schulstreiks aufrief. Waren es im Dezember noch ein paar hundert Streikende gewesen, so gingen am 18. Januar bereits über 22’000 junge Menschen auf die Strasse. Am 2. Februar dann waren es je nach Quelle gar schon zwischen 40 000 und 60 000 mehrheitlich junge Menschen, die in 13 Schweizer Städten für mehr Klimaschutz in Politik und Wirtschaft demonstrierten. In Biel zogen an diesem Tag geschätzte 600 Streikende lautstark durch die Nidaugasse, wie das Bieler Tagblatt berichtete. 

Der «Klimastreik» ist in der Schweiz mit diesen Zahlen schon jetzt eine der grössten Protestaktionen der letzten Jahrzehnte. Und die Jugendbewegung will noch lange nicht ruhen und weitere Mobilisierungs-Rekorde aufstellen. Als Reaktion auf den riesigen Demonstrationszug am letzten Sonntag am „Klimaatmars“ in Amsterdam posteten sie beispielsweise auf ihrer Facebook-Seite: „Wow, 40’000 waren in Amsterdam auf der Strasse! Schaffen wir in der Schweiz am Freitag das doppelte? Challenge accepted!“ Nun reichte es zwar nicht ganz, aber der nächste Streik kommt bestimmt und dann vielleicht auch bei etwas besserem Wetter.  

Das Ganze sind übrigens längst nicht mehr nur „Schülerstreiks“. Auch Lernende, Eltern und Grosseltern werden mit Erfolg mobilisiert, die Klimakrise betrifft schliesslich alle. Die treibende Kraft sind und bleiben aber die Schülerinnen und Schüler, die parteineutral agieren, ausserhalb der institutionellen Politik. 

Die Lehrerinnen und Lehrer haben sie übrigens bei der ganzen Mobilisierung nicht vergessen und sich hinsichtlich des Streiks vom Freitag in einem offenen Brief nebst einer höflichen Entschuldigung für die unweigerlichen Absenzen mit folgenden Worten an sie gewandt: „Sie verstehen aber sicherlich auch, dass uns unsere Zukunft sehr am Herzen liegt und wir keine Zeit haben, zu warten, denn die Uhr tickt.  Darum sind wir gezwungen, heute etwas zu tun, damit wir morgen noch eine lebenswerte Heimat haben.“

Fotos: A. Bachmann, Jana Walser (Fotos 6-9)

Nach dem Streik ist vor der Demo. Die nächste nationale Klima-Demo findet am 6. April 2019 statt. 

Wer mehr als nur Freunde mobilisieren sondern gleich aktiv mithelfen möchte, kann sich melden unter https://climatestrike.ch/mitmachen/

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