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„Ja, dann kommt Wasser aus dem Wasserhahn“

Sieben Jahre lang hat Mendel Hardeman an seinem Film „das Meer des Pilgers Antonio“ gearbeitet. Dieser dreht sich rund um Canudos, einen Ort mitten im Sertão, einer halbwüstenartigen Landschaft im Binnenland Brasiliens, dessen Magie es Hardeman angetan hat. Zusammen mit seiner Frau hat der Filmemacher selbst vor Ort gelebt und die täglichen Mühen rund ums Wasser mitgetragen. Folgender Auszug aus einem Newsletter der beiden vom Dezember 2018 gibt einen Einblick.

„Wenn die grosse Pumpe des Dorfbrunnens – 250 Meter tief! – nicht kaputt ist;
Wenn der Beamte, der zu festen Zeiten den zentralen Wasserhahn aufdrehen sollte, wodurch das Wasser zum Dorf gelangt, dies auch tatsächlich tut;
Wenn das Wasser auf seinem langen Weg zum Dorf keinen leckenden Leitungen begegnet;
Wenn die Menschen in der Nähe des Brunnens, die den Brunnen zur Bewässerung nutzen, den Hahn des Dorfes nicht gleich wieder zudrehen, damit sie weiter bewässern können;
Wenn wir dann endlich zweimal in der Woche das fröhliche Plätschern des dünnen Wasserstrahls in unserer Zisterne hören;
Wenn unsere Hauspumpe funktioniert, damit wir das Wasser aus der Zisterne nach oben in unseren Tank pumpen können, wodurch es Druck erhält;
– ja, dann kommt Wasser aus dem Wasserhahn. Und aus der Dusche. Die Klospülung funktioniert. Und wenn man es filtert, hat man köstliches Trinkwasser.
Als wir hier ankamen, war nach einem Monat, in dem viele Einwohner Wassereimer zu Fuss, per Esel und Motorrad schleppen mussten, endlich die Dorfpumpe repariert. Doch zwei Tage später hatte sie wieder den Geist aufgegeben. Der einzige Mann, der sie reparieren konnte, wohnt 80 Kilometer entfernt und verliess wegen einer Depression sein Haus kaum, so behauptete die Stadtverwaltung, sein Arbeitgeber. Menschen, die ihn kannten, sagten darüber, dass er erst wieder kommen würde, wenn er den seit drei Monaten nicht erhaltenen Lohn in seiner Hand hielte. In der Zwischenzeit hatten auch wir unser Leben eingerichtet inmitten eines Systems von Eimern und kleinen und grossen Behältern, wodurch jeder einzelne Tropfen Wasser sooft wie möglich wiederbenutzt wurde. Wieviel unserer Zeit und Energie da hineinfloss! Pro Woche waren wir ungefähr 18 Arbeitsstunden mit unserer Wasserversorgung beschäftigt. Zum Glück war diese Situation nach vier Wochen wieder behoben.“

Mendel und Susanne Hardeman schreiben regelmässig Newsletter über ihre Arbeit und ihr Leben in Canudos, Brasilien.

Die Vision 2035 zeigt den Film „Das Meer des Pilgers Antonio“ von Mendel und Susanne Hardeman am Samstag, 17. August um 20:30 Uhr an der Mattenstrasse 81, Biel. Die Kollekte kommt ihrem Projekt „laufen auf Wasser“ zu Gute.

„Wir könnten Wunder vollbringen“ >>
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