Transition

Plastikmonster mitten in Biel

Am helllichten Nachmittag ist heute ein Ungeheuer durch die Bieler Innenstadt gezogen – eines zwar, das Niemandem etwas zu Leide tut, dessen Einzelteile aber durchaus grosses Leid anrichten können, wenn nicht so kreativ in Szene gesetzt. Das Monster besteht nämlich gänzlich aus Plastikmüll, genauer aus Nestlé-Verpackungen, welche die Crew des Greenpeace-Schiffes Rainbow Warrior auf den Philippinen aus dem Meer gefischt oder an Stränden aufgesammelt. Jetzt ist das Plastikmonster auf dem Weg zurück zu seinen Verursachern. 

Status: invasiv
Verbreitung: weltweit
Fortpflanzung: Wegwerfgesellschaft
Nahrungsquelle: Verpackungswahnsinn
Lebenserwartung: über 500 Jahre

Mit einer Schulterhöhe von 3.5 Metern, seinen rollenden Augen und den langen Krallen vermochte das Plastikmonster bei seinem Spaziergang durch Biel durchaus zu beeindrucken. Geführt wurde es von Freiwilligen der Greenpeace-Regionalgruppe Bienne und auf dem Zentralplatz schliesslich im Rahmen einer Ausstellung zur Plastikproblematik imposant zur Ruhe gesetzt. Allerdings nur vorübergehend. Denn schon morgen zieht es unter dem Motto „Zurück zum Erzeuger“ durch Neuenburg, am Freitag durch Freiburg und am Samstag schliesslich durch Lausanne – immer mit dem einen Ziel: auf die weltweite Plastikkrise aufmerksam machen. Denn: Plastik ist überall! Es vermüllt die Ozeane, gefährdet Meerestiere und schlussendlich auch uns. Verantwortlich dafür seien die multinationalen Konzerne – allen voran der Riese Nestlé, wie Greenpeace in einer Mitteilung schreibt: „Deshalb fordern wir die Schweizer Firma auf, Einwegverpackungen zu reduzieren und auf alternative Mehrweg-Liefersysteme zu setzen.“ 

Fotografiert haben Janosch Szabo (Bilder 1-3) und Andreas Bachmann (Bilder 4-9)

Das Problem ist nämlich, dass hierzulande Manager Entscheide fällen, dass Produkte in schädliche Einwegverpackungen gesteckt und in Regionen transportiert werden, wo jegliche Infrastruktur fehlt, um mit dem Plastikmüll klarzukommen. Wer schon mal etwas weiter südlich in den Ferien war, hat die Auswirkungen davon bestimmt zu Gesicht bekommen. Unten ein paar Bilder von einem abgelegenen Strand auf der kapverdischen Insel Boa Vista. Dass der Müll dort liegt, ist hässlich, was er aber anrichtet, wenn sich Vögel darin verheddern, Meerestiere davon fressen und kleinste Teilchen davon ins Wasser übergehen, von dem sich Millionen von Lebewesen ernähren, das ist eine Tragödie.

Bilder von Janosch Szabo