Urbanismus

Schon mal was gehört von Zürgelbäumen?

Es ist heiss dieser Tage. Sehr heiss. Da leiden auch die Pflanzen, gerade in der Stadt, wo der viele Asphalt zusätzlich heizt. Manche Arten, wie der Bergahorn, sind dem nicht gewachsen. Sie verschwinden mehr und mehr aus dem städtischen Raum. Andere sind robuster und widerstandsfähiger den extremen klimatischen Bedingungen in der Stadt gegenüber. Zum Beispiel die Zürgelbäume, einer von mehreren südländischen Arten, an denen sich Biels Stadtgärtner im Zuge des Klimawandels mehr und mehr orientieren.

An der viel befahrenen Georg-Friedrich-Heilmann-Strasse in Biel gibt es auf Höhe des Warenhauses Otto’s eine ganze Reihe Bäume, die wohl kaum jemand benennen kann – mit schlanken verzweigten Stämmen und ausladenden aber doch lichtdurchlässigen Kronen in einigen Metern Höhe, die Strasse samt Fahrleitung des Busses überspannend. Es sind rund 40 Exemplare des sogenannten Südlichen Zürgelbaumes (celtis australis). Auf sie aufmerksam machte bereits der unterdessen verstorbene Bieler Baumkenner Hugues Vaucher in einem über ihn verfassten Bericht im Bieler Jahrbuch 1996. Sie würden hierzulande selten in Städten gepflanzt, obwohl ziemlich widerstandsfähig, vor allem gegen Luftverschmutzung. Ihr französischer Name micoculier de Provence verrät ihre Herkunft. Laut Wikipediaeintrag werden sie denn auch in Südfrankreich gerne als Strassen- oder Zierbäume verwendet. Aber auch im Südtirol ist die Art, die der Familie der Hanfgewächse zugeordnet wird, sehr bekannt. Die essbaren Früchte des Baumes, Zürgeln genannt, werden dort in Süssspeisen und Backwaren verwendet, schmecken aber offenbar eher fad und haben einen ziemlich grossen Kern. Wertvoller ist das Holz, das für die Herstellung von Blasinstrumenten, Wagenrädern und Ruder sowie für Drechselarbeiten beliebt war, das sehr harte und elastische Holz der Stockausschläge zudem für Peitschenstiele. Daher kommt es, dass der Baum auch Peitschenbaum genannt wird.

In Zukunft könnte der Zürgelbaum wieder an Bekanntheit zurückgewinnen. Er ist nämlich Teil des gross angelegten Klimawandelprojektes Stadtgrün 2021 der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Im Rahmen dessen werden seit Jahren auf der Suche nach Stadtbäumen für die Zukunft vielversprechende Baumarten auf ihre Widerstandsfähigkeiten untersucht. Der Zürgelbaum ist Teil davon und überzeugt, weil „enorm strahlungsfest, extrem zäh und bisher sehr gesund“. Er ist allerdings nur für wärmebegünstigte Standorte geeignet. Für Biel mit der Seenähe also durchaus auch.

Dieser Text erschien erstmals im Rahmen einer Doppelseite voller kleiner Bieler Baumgeschichten in der Nummer 27 der Vision 2035 im Sommer 2018.